Die Form des schwimmenden Hauses besteht aus drei verschmolzenen Würfeln. Sie stehen für Wärme, Energie und Wasser – jene drei Elemente, mit denen sich das Haus selbst versorgt.

Hightech-Haus auf dem Bergheider See

Spaziert man am Bergheider See am Hafen entlang, tun sich dem Betrachter zwei Welten auf: Ein Stückchen landwärts die Abraumförderbrücke F60, ein „liegender Eiffelturm“ mit über 500 Metern Länge, und damit eine der größten und faszinierendsten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt. Fast schon winzig mutet dagegen das schwimmende Haus direkt am Ufer an, in dem jedoch nicht minder spannende Technik steckt.

Gewappnet gegen Überflutungen
Dieses Hightech-Haus bietet mehrere Besonderheiten: Zum einen passt es sich der Höhe des Wasserstandes an, schwimmt praktisch immer auf Höhe des Wasserspiegels. Damit kann es die Probleme von gut einem Drittel der Bewohner der Niederlande lösen, deren Häuser von einer Überflutung bedroht sind, oder auch von Küstenbewohnern in Hamburg, Bremen oder Wilhelmshaven, die ihr Hab und Gut mit Deichen, Sperren und Wehren vor Fluten schützen.

Autarkes Leben auf dem Wasser
Was das schwimmende Haus auf dem Bergheider See im Gegensatz zu herkömmlichen, sogenannten Floating Homes sogar einzigartig macht, ist seine Energieautarkie. Es kann sich unabhängig von öffentlichen Leitungen mit Strom, Wasser und Wärme versorgen. Der Strom kommt aus Solarzellen und wird in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert. Für Heizenergie und warmes Wasser sorgen modernste Technologien: So ist der Salzhydrat-Kamin in der Lage, thermische Energie nach dem Prinzip von Wärmekissen zu speichern. Parallel wurde ein Langzeitspeicher auf Basis des Minerals Zeolith entwickelt, der mit einer Solarthermieanlage gekoppelt ist. Dieses Mineral hat die Eigenschaft, Wärme zu speichern und beim Kontakt mit Wasserdampf wieder abzugeben.

BTU-Bauphysiker beteiligt
Die Innovationen reichen bis hin zur Bauweise aus leichtem Carbonbeton, Holz und viel Glas sowie dem äußeren Erscheinungsbild, das futuristisch aussieht und gleichzeitig eine für die Solarmodule praktische Oberflächenvergrößerung mit sich bringt. Entstanden ist das schwimmende Haus von 2014 bis 2019 im Forschungsverbund autartec® unter der Leitung des Fraunhofer IVI. Beteiligt war die BTU unter anderem mit dem Fachgebiet Bauphysik. Wer am Bergheider See unterwegs ist, sollte dem Haus unbedingt einen Besuch abstatten!

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